Bestimmt nicht

Meine erste Euphorie zwecks Krippenplatz für Leander wurde heute sehr gedämpft. Nicht, das ich noch weiter nach hinter auf der Warteliste geruscht bin. Nein, ich bin von der Krippe selbst ziemlich enttäuscht.

Die Kinderkrippe, die wir heute besichtigt haben, trägt sich als Verein, indem die Eltern der Kinder mitwirken und gehört mit zum Campus. Eine Schwierigkeit ergab sich bereits beim Auffinden der Räumlichkeiten. Ich war auf einem Gelände mit mehreren Stundentenwohnheimen und einen Kindergarten, der ausgeschildert war. Dort habe ich dann nach der Krippe gefragt.

Der Eingang war noch okay, doch dann ging es durch einen Flur, ohne Fenster und Licht gab es auch nicht wirklich. Hat mich irgendwie an ein Bahnhofsklo erinnert. Weiß auch nicht wie so. Einen kurzen Moment habe ich überlegt, gleich wieder umzukehren.


Doch am Ende des Tunnels war ein Licht, eine Glastür mit der Aufschrift “Die Zwerge”. Also war ich, hingegen meinen Befürchtungen, doch richtig. Ich durch die Tür. Der Flur ging weiter, doch mit Kleiderhaken, Kinderschuhen, Kinderwagen und bunten Zetteln an der Wand. Dann wieder eine Tür, mit der Aufforderung die Schuhe auszuziehen. Ich habe dann geklopft und es wurde mir auch aufgemacht. Eine junge Frau hat mir die Tür auf gemacht und mir dann auf meine Vorstellung hin gesagt, dass sie nur ne Mutti sei und die beiden Betreuer da hinten wären.

Wir also rein in den Raum, gleich vorne ein kleiner Tisch mit den coolen kleine Stühlen, ich finde sie so putzig. Auf einem Hochbett oder sowas ähnlichen haben ein paar Kinder gespielt und da saß dann auch eine Erzieherin. Mein Hallo wurde erwidert, auch vom anderen Erzieher, der auf einem ausgedienten, aufgeklappten Sofa mit Plüschhausschuhen saß und zwei Kindern etwas vorgelesen hat. Doch dann war Funkstille. Schnell habe mir eine von meinen Fragen ins Gedächtnis gerufen, um nicht ganz zu doof dazustehen. Nach ein paar Sätzen von mir, hat sich die Erzieherin auch mal zu mir bequemt. (ja, ich war schon nicht mehr so euphorisch, ich fand sie ziemlich unhöflich).

Naja, was sie mir so erzählte, hat mich auch nicht wirklich überzeugt. Das waren die einzigen zwei Räume, dann gäbe es noch einen Wickelplatz und draußen das eingezäunte Stück Rasen. Aha?! Wo sind die Kinderklos und -waschbecken. Wo ist die Küche? Bekommen die Kleinen ein zweites Frühstück mit Bioobst? Ach, wieso habe ich es denn nicht gefragt. Ich glaube, ich war zu geschockt (ein anders Wort, welches nicht ganz so krass wirkt, fällt mir nicht ein). Da war ich wohl von der letzten Krippe zu verwöhnt. Nach weiteren holprigen Sätzen. Habe ich mich dann verabschiedet. Ganz am Ende hat die Erzieherin dann mal nach Leander gefragt. Geschlecht, Name und Alter. Das, meine Liebe, wünsche ich mir von einer Erzieherin/Betreuerin als erstes. Denn die Kinder sind wohl in der Krippe das Wichtigste. Leider wohl nicht Leander, denn er war dort zum ersten und letzten Mal. Außerdem ist die Betreuungszeit, 4 mal 4 Stunden pro Woche, zu wenig. So. Abgeregt!

6 Responses to “Bestimmt nicht”

  1. Toujours-Moi Says:

    Wenn ich das lese, dann komme ich aus dem Kopfschütteln immer nicht raus. Und ich werde wütend. Weil es mit ein bisschen mehr Engagement der Unis und der Asten so einfach wäre, was Anständiges für studierende Eltern auf die Beine zu stellen. Aber das funktioniert meist nicht, weil man Geld lieber für andere und manchmal sehr unsinnige Projekte ausgibt.

    Und dann wundert man sich auch noch, warum sich so wenige Studenten früh für Kinder enscheiden. Ich habe ja großen Respekt davor, wie ihr das alles managt!

  2. Aline Says:

    Wahrscheinlich finden viele Studenten auch die Krippe super, meist ist ja auch die letzte Chance das Kind unterzubringen. Die Einrichtung hat eben voll dem Studentenklische entsprochen. Das, was ich mir unter einem Studenten vorstelle. WG-Mitbewohner, alternativ gekleidet, nimmt an Demos teil, lebt Öko, Vorlesungen habe keine Anwesenheitspflicht, geht auf Partys. Ja, und das ist das volle Gegenteil von uns.

    Wir bekommen das so ganz gut hin, weil einmal das Timing perfekt war, Leander ist am Anfang meines Praxissemesters (muss ich nicht machen, da Anerkennung meiner Teilzeit) geboren ist und z um anderen wir mit Hagens Eltern zusammen wohnen, die auf Leander ab nächste Woche aufpassen.

    Aber nicht nur Studenten bekommen nicht so früh Kinder, auch die Frauen, die Karriere machen überlegen es sich zwei Mal, ob sie mehrere Jahre auf ihren Job verzichten wollen. Denn wo sollen sie denn das Baby nach dem Mutterschutz unterbringen? Wenn man, wie wir im Landkreis Lüneburg lebt und kein Student ist, bekommt man keinen Krippenplatz. Die werden nur an Städter vergeben, da der Landkreis keine Plätze hat. Wofür werden eigentlich unsere Steuern ausgegeben?

    Ich würde mal sagen, die 67%, die eine Mutter bekommt, wenn sie zuhause bleibt, können die Politker stecken lassen. Schafft Krippen- und Kindergartenplätze ran, ganztags, und schon bekomme ich noch ein Kind. Garantiert ;)

  3. Mäusekönigs Mami Says:

    Ich geb Dir zu 100 Prozent recht – unser Leander ist jetzt gerade mal vier Wochen alt und wir wollen ihn mit knapp einem Jahr auch stundenweise in eine Krippe geben (wegen meines Jobs) und wir werden jetzt schon bestaunt, dass wir uns noch nicht darum gekümmert haben. Jeder, aber wirklich jeder sagt, das hätten wir längst in der SS machen müssen, denn die Krippen sind rar gesät. Als ob man sich, wenn der Kurze noch nicht mal da ist, um so etwas kümmert.

    Nun, ich bin gespannt, wie sich unsere Suche entwickeln wird. Schließlich soll die Chemie ja auch stimmen, und auch, wenns in Berlin noch verhältnismäßig viele Kitas gibt – wirds nicht einfach!

    Glücklicherweise bin ich in einer ähnlichen Lage wie Du – ich kann mir die Beaufsichtigung wahrscheinlich gut mit meinem Partner einteilen. Aber was ist mit den all den Frauen, bei denen das nicht geht? Kein Wunder, dass so viele hochqualifizierte Frauen sich entweder gleich gegen Kinder entscheiden, oder doch hinter dem Herd “versauern”.

  4. Aline Says:

    Dann drücke ich dir mal die Daumen, dass das mit einem Platz klappt. Die Wartelisten sind ja ziemlich lang.

    Ich habe mich für einen Kindergartenplatz hier im Dorf zwei Monate nach der Geburt angemeldet, dort wurde ich ein bißchen belächelt. Aber ich war nicht die erste auf der Liste. Also, war das nicht zu früh.

  5. Claudia Says:

    Ich habe da wohl sehr viel Glück, unser Krümel ist zwar auch noch nicht da, aber über einen Krippenplatz müssen wir uns keine Sorgen machen. Bei uns im Ort gibt es 6 Kindergärten inklusive Krippe und da gibt es keinerlei Probleme einen Platz zu bekommen. Obwohl wir uns bereits für einen entschieden haben und auch demnächst zur Anmeldung schreiten wollen, dafür werden wir auch bestaunt, aber was ich habe, habe ich, zumal ich auch nach einem halben Jahr wieder Teilzeit arbeiten will und das Kleine dort gut aufgehoben weiss.
    Wäre das Angebot nicht so gut, müsste ich wohl oder übel auf eine Tagesmutter zurückgreifen, was aber auch nicht immer das schlechteste sein muss. Da muss man aber viel Glück haben und eine gute finden.

  6. Kess Says:

    Ohhh, gleiches Thema habe ich auch gerade. Unser Frosch ist 19 Tage alt, was bedeutet, dass wir uns auch jetzt dringend um einen Krippenplatz bemühen müssen, um dann in 6-9 Monaten ziemlich weit vorne zu stehen auf den Wartelisten. Marburg ist Einrichtungsmäßig ganz gut bestückt (im Vergleich zu anderen Städten), was aber nicht heisst, dass es genügend Plätze gibt. – Vor allem für so “Normalos” wie wir. Es gibts Krippen speziell für Studierende (was ich auch gut finde), sozial Bedürftige, 2 für ausschließlich für Angestellte des (mittlerweile privatisierten) Klinikums und 0,5 für Uniangestellte. Und es gibt dann tatsächlich noch tatsächlich 1,5 (evang. Träger / priv. Verein) Krippen, die den Normalbürgern zur Verfügung stehen.
    Da können wir echt hoffen, einen Platz irgendwann mal zu bekommen.

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